Johannisthal

Johannisthal ist ein Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick.

Der Ortsteil im Süden Berlins ist bis heute geprägt von lockerer Bebauung. Johannisthal ist vermutlich nach dem Kolonienherrn Kammerrat Johann Wilhelm Werner († 1754) benannt.

Die Siedlung Johannisthal geht auf einen Erbzinsvertrag zwischen dem erwähnten Kammerrat Johann Wilhelm Werner und dem preußischen Staat vom 16. November 1753 zurück. Wie das benachbarte Adlershof war Johannisthal somit ein Ergebnis der inneren Kolonisation zur Regierungszeit Friedrichs II. Zu den Kolonisten gehörten Seiler aus der Pfalz.

Es war einmal Bad Johannisthal

Im Jahr 1880 wurde der bisherige Haltepunkt an der Berlin-Görlitzer Eisenbahn, Johannisthal-Neuer Krug, nach Südosten verlegt, zum Bahnhof umgebaut und in Johannisthal-Niederschöneweide umbenannt. Ab 1895 hieß der Bahnhof Niederschöneweide-Johannisthal. Seit 1929 gilt der gegenwärtige Name Berlin-Schöneweide. 1884 wurde dem Ort der Titel „Bad Johannisthal“ zugesprochen, der jedoch aufgrund der zunehmend verdichteten Bebauung mit folgendem Versiegen der Quelle rasch wieder verloren ging. 1912 erfolgte die Umbenennung der Landgemeinde Johannisthal in Berlin-Johannisthal.

In Johannisthal wurde 1909 der zweite deutsche Motorflugplatz, der Flugplatz Johannisthal, eröffnet. 

Im Jahr 1913 stürzte hier das Zeppelin-Luftschiff LZ 18 ab. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg siedelten sich am Rande des Flugplatzes Unternehmen des Flugzeugbaus an. Hier wurden Flugzeuge wie die Rumpler-Etrich-Taube gebaut.

Hier ging die Post ab

In Johannistal begann die Geschichte der zivilen Luftpost in Deutschland am 5.  Februar 1919. Von diesem Tag an starteten zweimal täglich Flugzeuge in Berlin-Johannisthal, um Postsendungen – vor allem aber Zeitungen – zu transportieren.

Die Eingliederung Johannisthals zu einem Ortsteil Groß-Berlins erfolgte im Jahr 1920.

Zwischen 1933 und 1945 befand sich am südlichen Rand des Flugplatzes der Hauptsitz des Medikamentenherstellers Temmler, der dort unter anderem das als kriegswichtig eingestufte Pervitin produzierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Rote Armee kurzzeitig den Flugplatz. Im Jahr 1953 wurde in Johannisthal der erste Großplatten-Experimentalbau der DDR als Versuchsbau der Deutschen Bauakademie in der Engelhardstraße 11–13 errichtet. Das Haus steht heute noch, nicht weit von unserer Werkstatt.

Von 1986 bis Herbst 1989 waren auf dem Gelände am Groß-Berliner Damm 82–100 Soldaten der NVA kaserniert, unter Mitnutzung von Gebäuden und Flächen des ehemaligen Flugplatzes Johannisthal (u. a. die historische Flugzeughalle). Zuvor hatten hier Grenztruppen der DDR diesen Standort genutzt.

Im Jahr 1995 wurde der Flugplatz endgültig geschlossen. Auf einem größeren Teil der Fläche befindet sich heute der Landschaftspark Johannisthal/Adlershof.

Seit 2005 ist Johannisthal durch die Anschlussstelle Stubenrauchstraße der A 113 an das Autobahnnetz angebunden.

Flugplatz & Film

Als Folge des Versailler Friedensvertrages, in dem der Bau von Flugzeugen eingeschränkt wurde, gründete sich in ehemaligen Werkhallen des Flugplatzes am 20. Januar 1920 die Johannisthaler Filmanstalt GmbH (JOFA-ATELIER).  Als das damals „größte Filmatelier der Welt“ entwickelte es sich zu einem der erfolgreichsten Filmstudios Deutschlands.

Hier entstanden bis 1930 fast 400 Filme, darunter verschiedene Klassiker:

Im Jahr 1929 wurde auf Tonfilm umgestellt und in den 1930er Jahren wurden die Ateliers durch die Tobis-Filmkunst GmbH übernommen.

Am 17. Mai 1946 übernahm die DEFA neben der Ufa auch den Tobis-Standort in Johannisthal. Im gleichen Jahr entstand dort der erste gesamtdeutsche Nachkriegsspielfilm Die Mörder sind unter uns mit Hildegard Knef in der Hauptrolle unter der Regie von Wolfgang Staudte.

Ab 1952 entstand hier das DEFA-Studio für Synchronisation in dem bis 1989 über 7000 Spielfilme bzw. Serienfolgen synchronisiert wurden.

In den Filmateliers produzierte die „Gruppe Johannisthal“ der DEFA bis 1990 Filme, wie Jakob der Lügner (1974), nach Jurek Becker. Das ist die einzige DDR-Produktion, die für den Oscar in der Kategorie bester fremdsprachiger Film nominiert wurde.

Herkunft des Straßennamen

Der Verkehrsweg beginnt am Waiblinger Weg nahe dem Bahnhof Schöneweide und endet an der Rudower Chaussee, wobei er die Ortsteilgrenze an der Adlershofer Hermann-Donner-Allee quert. Seinen Namen erhielt er nach der um 1912 beschlossenen Stadterweiterung zum Zweckverband Groß-Berlin im Jahr 1915.

Prominente Johannisthaler